Indien

 

 

Unsere zweite Indienreise (Februar/März 2003) habe ich ausschließlich dazu genutzt, um mich bei einem indischen 'Doktor' für 21 stramme Tage in Behandlung zu begeben, da ich in vielen Bereichen mit mir unzufrieden war und mir kein deutscher Arzt wirklich helfen konnte. Ich hatte ständig Schmerzen in der rechten Schulter, die mich gerade am Wochenende nicht vernünftig schlafen ließen; Eier konnte ich morgens gar nicht essen - danach wurde mir regelmäßig übel und mit mir war die nächsten Stunden nichts mehr anzufangen; Durchschlafprobleme hatte ich zudem auch noch und ständig diese Migräneattacken - nicht auszuhalten. Bezüglich meiner Schmerzen in der Schulte diagnostizierte ein deutscher Arzt Arthritis und auf meine Frage hin, was man dagegen tun kann kam eine wirklich beeindruckende Antwort: 'Da kann man nichts machen, das ist Verschleiß. Sie sind ja nun auch schon über vierzig'. Aha - ja wenn das so ist, dann kann ich mich ja auf ein langsames Zerbröseln meiner Person einstellen...... Ich war danach ziemlich stinkig!

Und so begann alles in Indien:

Mein Mann und ich waren im Jahr davor das erste Mal in Indien gewesen und ich dachte mir: was die Thailänder können, das müssten dir auch die Inder bieten: eine schöne Massage. Zugegeben - die Thailänder machen's anders und wenn man frei von Beschwerden ist, besser. Aber die Inder heilen in einem ganzheitlichen Programm. Ich machte mich also auf, eine Massage an unserem Strand in Kovalam (Südindien) zu ergattern und hatte sofort Glück. Ich sollte gleich am nächsten Morgen auf der Matte stehen (7:00 Uhr morgens - und das im Urlaub !). Empfangen wurde ich von einer überirdischen Erscheinung: ein 'Guru-Doktor', vor dem ich erst einmal Respekt hatte - man hat ja schon so viele merkwürdige Dinge gehört.... Er bat mich in sein Refugium, um eine Art Bestandsaufnahme mit mir zu machen. Mir war mulmig, denn damit hatte ich nun gar nicht gerechnet und außerdem war sein Raum ziemlich düster und völlig von den Nebelschwaden seiner Räucherstäbchen durchsetzt. Und wie er aussah! Weißes Walla-Walla-Gewand, schwarzer Rauschebart und lange schwarze Haare - schon ein wenig überirdisch für jemanden, der doch nur eine einfache Massage gegen seine Nackenschmerzen haben wollte. Ich wurde auf eine Matratze gesetzt und er guckte mir in die Augen, in den Mund und in die Hände, fummelte noch ein wenig auf meinem Kopf herum und stellte die Diagnose, dass eine Massage nicht weiterhelfen würde. Ich bräuchte unbedingt ein 'Energy Treatment' - was soll das denn bitteschön sein? Nee, dachte ich, der schnackt mir was an und ich nahm die herkömmliche indische Massage. Man ist ja immer so schlau! Die Massage war gut, wenngleich sehr ölig, gebracht hat sie aber nichts. Nachmittags bin ich dann wieder zu dem 'Guru-Doktor' vorbeigewackelt und habe mir einen Termin für den nächsten Morgen für ein 'Energy Treatment' geholt - natürlich wieder um 7:00 Uhr .....

Was dann geschah war mir damals noch unerklärlich, obwohl ich doch schon meinen ersten Reiki Grad hatte. Ich stand mitten in dem 'Räucherraum', rechts von mir der 'Guru-Doktor', links von mir sein 'Gehilfe'. Ich sollte ja eigentlich die Augen ganz fest schließen, aber einmal hab' ich kurz geblinzelt - die Neugierde siegte. So konnte ich schemenhaft sehen, was die beiden mit mir anstellten, denn ich stand schon eine Weile da und hatte das Gefühl, dass nichts passiert. Aber die zwei Männer waren schon mitten in der Behandlung. Einer der beiden scannte mich mit seinen Händen ab, der andere der beiden schnipste mit den Fingern ganz leise an mir hinunter. Ich möchte gar nicht schreiben, was ich in dem Moment gedacht habe... 

Nach ungefähr 20 Minuten wurde mir kreuzübel und ich bekam kalte Schweißausbrüche - ich durfte mich hinlegen. Als der ganze Zauber beendet war, fühlte ich mich sehr entspannt und nun kommt's: die Schmerzen in meiner Schulter waren völlig weg. Nix mehr da! Und das für ca. ein halbes Jahr. Ich war beeindruckt, fand mit einem Mal gar nichts mehr komisch oder unheimlich und hatte einen wunderbaren Urlaub ganz ohne Schmerzen. Dankbarkeit kam mir in den Sinn und dankbar war ich wirklich! Die Behandlung dauerte insgesamt etwas über 1,5 Stunden und kostete mich umgerechnet € 40,00.

Der 'Doktor' erzählte mir von einer 21 Tage Behandlung und ich solle doch gleich da bleiben. Der hat Nerven ....... Schließlich hatten wir unsere Rucksackreise minutiös durchgeplant und wollten noch ganz viel sehen von Indien (typisch deutsch). Die Zeit hatten wir nicht, dort zu bleiben. Aber so ist man dann: es geht einem wieder gut und plötzlich hat man keine Zeit mehr für sich und seinen Körper. 

Doch haben sich die Schmerzen pünktlich nach einem halben Jahr wieder gemeldet und ich habe meinen Mann gefragt, ob er noch einmal eine Reise nach Indien mit mir unternehmen würde. Er am Strand - ich in Behandlung. 

Am 12. Januar 2004 ging's auf blauen Dunst los, denn der 'Doktor' hatte auf meine diversen Emails nicht ein Mal geantwortet. So sind die Inder .....

Am Strand angekommen mussten wir feststellen, dass aus der ehemaligen Praxis eine unaufgeräumte Schrummelbude geworden war. So'n Mist - aber man hat ja einen Mund zum fragen. 'Mein Doktor' war inzwischen umgezogen und hatte sich vergrößert und er wurde umgehend informiert, dass potentielle Kunden angekommen wären: nämlich ich. So schnell konnten wir gar nicht gucken, da stand er auch schon vor unserer Zimmertür, strahlte wie ein Honigkuchenpferd und machte es sich gleich auf unserem Bett bequem. Wir mussten schon grinsen - die Inder können so lustig sein. Auf meine Frage, ob er denn Zeit für mich hätte, rollte er kurz mit den Augen, hypnotisierte die Zimmerdecke, strahlte wieder und beorderte mich kurzerhand für den nächsten Morgen (natürlich wieder um 7:00 Uhr - wie konnte es auch anders sein) in seine neue und schöne Praxis. Den 'Räucherraum', in dem täglich mit 'Lord Shiva' kommuniziert wird gibt es immer noch, allerdings wurde er von den Praxisräumen separiert.

Das war die Mannschaft, die mich wieder auf Vordermann ge-

bracht hat - von links: Raju (Massage), Arun (Massage und

Reiki-Healings), Minie (half beim Dhara und und war der

gute Geist der Praxis) und schließlich Siraj (der Guru-Doktor)

 

Ja, und dann ging's los und ich wusste am ersten Tag so gar nicht, was auf mich

zukommen würde, denn einen Zeitplan hatten wir nicht gemacht. Ich hatte angenommen, dass ich täglich 2 bis 3 Stunden behandelt würde und die restliche Zeit mit meinem Mann in der Sonne und in den diversen kleinen Strandbars die Seele baumeln lassen kann. Aber das war wohl nix! Meine Behandlung erstreckte sich über den ganzen Tag von morgens 7:00 Uhr bis abends 19:30 Uhr mit 1,5 Stunden Mittagspause. Es gab jede Menge Healings (Reiki-Behandlungen), täglich eine Dhara-Behandlung (Stirn -und Fußrückengüsse mit Kräutersud), Massagen (Dauer zwischen 1,5 und 3 Stunden!) und zum krönenden Abschluss jeden Tag einen Saunagang in einer Ein-Mann-Sauna-Tonne bei einer Außentemperatur von ca. 30°C um den Körper zu entgiften. Die einzige Medizin, die ich bekam, waren indische Abführpillen zur Entgiftung, die mich die ersten 5 Nächte der Behandlung auf der Toilette verbringen ließen. 

 

Dhara-Tisch mit Arun (links) und Minie (rechts)

im Hintergrund rechts die Ein-Mann-Sauna angetrieben

von einem Espitkocher und einem Schnellkochtopf

 

Bei den diversen Healings huschten Sija's Hände immer zu Beginn der Behandlung durch die Luft, womit ich so gar nichts anfangen konnte - ich hatte wie gesagt erst Reiki 1. Im Nachhinein erfuhr ich, dass er zu meinen Healings immer die Zeichen von Reiki 2 und das Meister-Zeichen benutzte, um sich erstens selbst zu schützen vor meiner negativen Energie (Athritis, Magen und Migräne) und um zweitens die Zeichen von Reiki 2 einzusetzen, um die Reiki-Wirkung zu verstärken.

 

Siraj warnte mich im vorhinein, dass ich zwischen dem 4. und 7. Tag starke Schmerzen bekommen würde, da er die negative Energie aus den betreffenden Bereichen meines Körpers herausziehen und mit positiver Energie auffüllen wolle und das könne eben weh tun.Tat es auch! An dem Abend, an dem die Schmerzen begannen (dauerten ca. 3-4 Tage an) kam ich mir vor, als würde ich mich in 'Hulk'  verwandeln und lauter Höcker auf dem Rücken bekommen. Als wenn meine gesamte Rückenmuskulatur sich verdreifachen würde.

 

 

Jeden Nachmittag hieß es: "Ab in die Tonne zum Schwitzen"-

heraus kam man da nur, wenn man gelassen wurde. Einmal

bin ich vergessen worden, da alle zum Essen fort waren. Minie

hat mich schließlich gerettet.

 

Wir haben zwischen den einzelnen Behandlungen immer sehr viel miteinander palavert: über unterschiedliche Gepflogenheiten in Deutschland und Indien; über meinen Job; über unsere Familien; darüber, dass seine Eltern für ihn eine Hochzeit arrangieren wollen, er aber nicht heiraten will; und über Reiki.

Mir wurde dringend empfohlen, den 2. Reikigrad zu machen. Ich hätte ihn zusammen mit dem Meistergrad in Indien machen können. Wollte ich jedoch nicht, da Reiki 2  und der Reiki-Meister gerade einmal einen halben Tag dauerten. Man bekam zum Abschluß noch einige englischsprachige Dokumente und die beiden Urkunden in die Hand gedrückt und das war's auch schon. Und es war unverhältnismäßig teuer - fand ich. Ich zog es vor, Reiki 2, den Meister und die Lehrerausbildung bei meiner Reiki-Lehrerin in Hamburg zu machen.

 

Raju -

 zuständig für Massage

und Marma-Therapie

 

Nach Abschluß der 21 Tage war ich noch lange nicht schmerzfrei, aber ich konnte immerhin wieder Eier zum Frühstück essen. Somit sah ich einen Teil-Erfolg, was meinen Magen betraf. Gezweifelt habe ich zwischendurch immer mal wieder an der Behandlung - da bin ich ganz ehrlich. Aber gerade das bestätigt im Nachhinein wieder meine Überzeugung was Reiki-Ungläubige betrifft: man muss nicht daran glauben und kann ruhig hin und wieder zweifeln: Reiki passiert einfach, wenn man sich darauf einläßt und es hilft und tut so gut.

 

Nach ca. einem Jahr waren auch meine Schmerzen in der Schulter Vergangenheit und meine Migräne habe ich nur noch ein Mal in Monat - die Mädels unter uns werden wissen warum.... Mein Mann hat mich während der Behandlung mehr als ein Mal gefragt: "Und, würdest Du diese Kur noch einmal über Dich ergehen lassen" woraufhin er nur einen giftigen Blick von meiner Seite erntete. Jetzt, über ein Jahr später habe ich meine Meinung geändert, denn auch Durchschlafen kann ich inzwischen prima. Somit sind alle meine 'Schäden' behoben worden.

 

Ich habe mir das erste Jahr nach der Behandlung täglich Zeit für Reiki genommen und gänzlich auf Schweinefleisch verzichtet - inzwischen bin ich nachlässiger geworden. Ich praktiziere Reiki bei mir immer dann, wenn ich Lust und Zeit habe und bin dankbar, dass ich's immer und überall anwenden kann, wenn's mich doch mal wieder zwickt oder der Kopf droht überzulaufen.